Samstag, 25. April 2020

Konfliktwillkommenskultur – Ombut und wer mag mitmachen?




Ich war lange auf der Sucher nach einer Schlichtungsstelle innerhalb der Gemeinschaft derer, die sich mit Gewaltfreier Kommunikation beschäftigen. Auslöser war einst ein Konflikt mit der Anbieterin eines Jahrestraining, für das sie im Laufe des Jahres die Bedingungen veränderte, so dass ich sowohl finanziell als auch als Trainerin anerkannt zu werden größere Hürden zu nehmen hatte, die nicht vereinbart waren. Damals erklärten alle neun Personen aus der DACH- und Fachverbandsgemeinschaft, an die ich mich der Reihe nach wendete, sie selbst habe keine Kapazitäten für Unterstützung, ich möge doch mal den und jenem fragen, bis ich zum Schluss wieder bei derselben Person ankam,an die ich meine Bitte um Unterstützung als erstes gestellt hatte.

Nun war gerade Mitgliederversammlung von DACH. Bei der Vorstellungsrunde sprach Monika aus dem Netzwerk Rhein-Neckar von ihrem Wunsch eine Ombutsstelle einzurichten, an die sich nicht nur Kandidaten während der Zertifizierung wenden können, sondern alle, die in der GFK-Gemeinschaft einen Konflikt miteinander haben. Sie sei Mediatorin und wisse um Konflikte, die sich hätten in Schönheit von Bedürfnissen wandeln lassen, wenn es eine dritte Person zur Unterstützung gegeben hätte. Sie stelle sich das als kostenlose Möglichkeit für alle vor.

Ich war wach und lebendig. Es gibt also einen Menschen, der sich Ähnliches wie ich schon seit Langem wünscht. In mir kam Freude auf, Inspiration und Zuversicht wurden gerade genährt.

Am 2. Tag der Mitgliederversammlung von DACH haben wir uns zu Arbeitsgruppen verabredet, die Jürgen aus dem Vorstand für uns „eingerichtet“ hatte. Wir folgten unserem Interesse an den Themen, die im Laufe der Mitgliederversammlung als Herzensangelegenheit oder als aktuell relevant bewertet in dem Versammlungschatraum auftauchten.

Ich war in der Ombut-Arbeitsgruppe. Wir berichteten von unserer Motivation sich dieser Arbeitsgruppe angeschlossen zu haben. Monika ergänzte das, was ich oben schilderte, damit, dass für sie GFK dann tragfähig sei, wenn wir damit auch untereinander für Konflikte lösen und nicht nur lehren. Dass es eigentlich natürlich sei, innerhalb der Gemeinschaft so mit einander umzugehen, dass wir uns gegenseitig unterstützen, dass unsere Konflikte in erfüllte Bedürfnisse transformiert werden.

Mein Herz hüpfte, ich war berührt, das von einer andern Person zu hören, mit dem ich für mich lange an Türen geklopft hatte. Sie wurde sozusagen gerade in diesem Moment endlich geöffnet.

Danach erfuhr ich von einer Vision, die in mir assoziierte, Konflikte willkommen zu heißen. Sie gehören ins Leben in das aktuelle Geschehen und können genau dort an Ort und Stelle in Erfüllung gewandelt werden. In all unseren Begegnungen der GFK-Gemeinschaft mögen sie in jedem Moment Platz zur Transformation haben, genau da und dort, wo sie auftauchen. Das ist ihre Idee von Heilung und von Gewaltfreiheit.

Ich war erneut berührt. Ich hatte mehrmals in unserer Netzwerkgruppe gebeten, dass wir uns gegenseitig bei Konflikten unterstützen und auf die Bedürfnisebene zu gehen, statt uns über Strategien auszutauschen, die Didaktik und Methodik in unseren Seminaren betrafen. Und ich erinnerte mich an einen Trigger: „das können wir hier nicht leisten“ und an den Schmerz, der damals ausgelöst wurde, weil ich mir so sehr Kongruenz wünschte, also dass das, was wir lehren auch miteinander tun. Jetzt gerade wurde auch dieses Bedürfnis erfüllt, einfach nur dadurch, dass ich es aus dem Munde auch einer anderen Person gehört habe.

Wir hatten 30 gemeinsame Minuten, in denen ich mich lebendig und verbunden erlebte. Und plötzlich war meine Leichtigkeit wieder zurück, dass es sich lohnt meine Kraft für so eine Ombutzstelle einzusetzen. Das nächste „digitale“ Treffen mit den beiden ist bereits vereinbart.

Ich freue mich, wenn sich Menschen dafür interessieren in einer Ombutsstelle Konfliktpartner zu unterstützen. Laut Wikipedia bedeutet Ombut einfach nur Auftrag oder Vollmacht, jedoch meinen wir natürlich jenen Auftrag in einem Konflikt die Schönheit der Bedürfnisse zu finden.

Dienstag, 7. April 2020

„Eine Charette...“



Auf einem Bein stehend war ich gerade im Begriff das andere über den dicken Rumpf des Dromedars zu schwenken, noch ohne Halt der Hände am Sattelknauf, den ich auf Grund der Größe des Kamels erst erreichen kann, wenn das andere Bein auf der anderen Seite des Tierrückens baumelt. Der Guide hält den Strick, der am Kopf des Tieres befestigt ist mit leichtem Zug nach unten. Zuvor hat er dem Tier mit Lauten, wie „chchrrrh“ bedeutet, dass es sitzen zu bleiben hat, bis ich aufgestiegen bin. Ich nehme das kleine Zucken im Dromedarkörper wahr, das mir vertraut ist. Es kündigt an, dass es sich gleich nach oben bewegen wird. In demselben Bruchteil der Sekunde sehe ich den Guide statt auf das Kamel in die Landschaft schauen, denke: er muss doch nachziehen und schon spüre ich, wie ich vom Hinterteil des Tieres am Oberschenkel des eben noch schwingenden Beines erfasst, nach oben und von da aus mit Schwung nach hinten katapultiert werde. Ohne dass Zeit vergangen zu sein schien, liege ich am Boden, winde mich in Schmerzen, Muskeln krampfen. Ich kann den Schmerz nicht lokalisieren, Schweiß, Atmen, auf allen Vieren in der heißen Wüstensonne.

Ich warte in dieser gebückten Haltung bis ich wieder tiefer atmen und mich dadurch aufrichten kann, verweigere alle Berührungen und Wünsche zu sehen, wo die Verletzung ist und schicke lange Ausatmung in meinen rechten Oberkörper.

Als ich bemerke, dass man mich in Ruhe lässt, mich nicht mehr mit laienhaften Diagnoseversuchen bedrängt, bitte ich um eine Schlinge. Ich bekomme drei Schlingen, die in der Gesamtheit ein wenig Unterstützung bieten, sie perfekter einzusetzen, kann ich nicht zulassen, denn jede Milimeterbewegung an meinem Arm tut höllisch weh.

Willst du zurück reiten?“ fragt mich ein Guide. Ich antworte: „Nein, ich kann in dem Zustand nicht aufsteigen und mich den Tierbewegungen aussetzen.“ Ich werde zurück zum Camp laufen müssen. Wie ich diese Strecke überwinden kann, ist mir noch ein Rätsel. Ich atme wieder mit langer Ausatmung in den Schmerz hinein und ziehe los, lasse die noch irritierten Anderen einfach stehen. Ich will „Strecke machen“ so lang noch etwas Kraft da ist. Ich laufe gebeugt, um die Schmerzen besser auszuhalten, langsam Fuß vor Fuß nur der jetzige Schritt, der gegenwärtige Atemzug ist existent. Mein Blick ist auf den Boden gerichtet und ich verfalle in eine Haltung meinem Inneren zugewandt. Allmählich kann ich den Herd des Schmerzes lokalisieren: es ist die Schulter, eindeutig Bänderschmerz, eingebettet in für Bänderrisse typische Muskelkrämpfe der umgebenden Muskulatur. Diese Diagnose gibt mir Sicherheit und Vertrauen in mich.

Als die anderen an mir vorbei reiten, herrscht Stille, Betroffenheit. Ich möchte sie trösten, habe keine Kraft zum Reden. Irgendwann da vorne warten sie auf mich. Ich bleibe stehen, lehne mich an einen Guide, um mich nicht selbst halten zu müssen. Nur nicht hinsetzen, den ich bin mir nicht sicher, ob ich wieder aufstehen kann. Dann weiter, es gibt wieder nur den jetzigen Atemzug, den aktuellen Schritt, völlig im Hier und Jetzt.

Nach etwa 1,5 Stunden zittern meine Beine, die Kraft ist verbraucht. Ich kann mit den Energie aufzehrenden Schmerzen nicht mehr weitergehen. Ich spüre Schwäche, habe Sorge zu taumeln und meinen verletzten Arm nicht mehr schützen zu können. „Ich kann nicht mehr!“ hauche ich und setze mich doch in den Schatten, höre leise Worte der anderen, erhebe den Blick und sehe mitten in der Wüste in der Ferne eine sog. Charette, einen Eselskarren. Es kommt schon immer wieder mal vor, dass Beduinen sich mit ihren Eselskarren etwas weiter in die Wüste begeben, so etwa einmal im Monat, wenn überhaupt. Ich hebe den unverletzten Arm zeige in die Ferne und sage „eine Charette!“, versinke wieder in mich hinein, höre, wie jemand losgeschickt wird, sie anzuhalten...

Nicht das es leicht ist in meinem Zustand auf einem einachsigen Eselskarren zu klettern, geschweige denn da oben zu bleiben, ohne Sicherung mit den Armen, wenn wir über Hügel und durch nachgiebigen Sand kurven. Jedoch muss ich nicht mehr gehen und werde von zwei Menschen gehalten. Einmal stellt sich die Ladefläche so steil, dass wir alle drei ins Rutschen kommen. Ich werde gerade noch zurück gezogen...

Diese Erfahrung, in der ich so gegenwärtig wie selten in meinem Leben war, ging noch weiter bis nachts ein Uhr. Sie beinhaltete weitere Abenteuer und war gekennzeichnet von vielen Atemzügen immer hinein in den Schmerz bis hin zur Einrenkung meine Arms zurück ins Schultergelenk ohne Betäubung.

Doch das ist alles will ich nicht mitteilen, sondern nur, dass ich in dem Zeitraum über 12 Stunden meines Lebens nur den gegenwärtigen Augenblick gab, weil mir nichts anderes zu erleben, zu denken oder zu tun möglich war. Und plötzlich eine unerwartete Hilfe erschien. Eine, die ich nicht planen oder kreativ entwickeln, nicht komplex erfragen oder organisieren konnte. Sie war genau dann an diesem ungewöhnlichen Ort für eine Sichtung von „Fahrzeugen“, als ich keine Kraft mehr hatte, weiterzulaufen.

Darin erfüllt sich mir Lebendigkeit, Vertrauen und die Einbettung in ein Vorgehen Höherer Macht. Das Abenteuer Reise in die Wüste wurde auf Grund von Corona von 9 Tage auf 21 ausgedehnt und war geprägt von täglich neuen („Hiobs“-)Botschaften. Wenn es zu arg war, mich die Ereignisse zweifeln ließen, jemals wieder ein Bedürfnis erfüllen zu können, dachte ich an die Charette, die ganz ohne Strategie, nur aus der geheimen Bitte in mir selbst, dass ich irgendwie aus dieser Notlage heraus komme, plötzlich aufgetaucht war. Meine Idee von der Bitte, der Strategie in der Gewaltfreien Kommunikation ist eine andere geworden. Sie ist plötzlich ganz unmittelbar mit dem Bedürfnis verbunden.

Dienstag, 11. Februar 2020

Ich möchte gerne zum Preassessment antreten.



In der Zeit, die es brauchte die Realisierung dieses Wunsches in meiner „Assessment-Gemeinschaft“ abzuklären, habe ich entdeckt, dass es mir am wichtigsten ist, mich in meiner Schönheit zu zeigen und sie so zum Ausdruck zu bringen, dass andere Menschen sie als Gabe erfahren. Für mich entspricht sie der Aufgabe einer Protagonistin im Märchen, die nach der Überwindung vieler Hindernisse in einer anderen Lebensqualität weiterlebt „bis dass sie nicht gestorben ist“. Die Prüfung in meinem Märchen heißt, alle Hürden zu meistern, um mich in meiner Schönheit zu zeigen und damit auch gesehen zu werden.

- Von Kind an war meine Lebensmotivation intensive Begegnungen einzugehen, in denen Bedürfnisse, wie Wahrhaftigkeit, Verletzlichkeit, Leben im Bewusstsein des Sterbens, Spiritualität, Würde und Ehrfurcht berührt sind. In Verbundenheit vor allem mit diesen Bedürfnissen gehe ich durch die Welt und in Kontakt. Ich habe oft erfahren, dass ich meinen GesprächspartnerInnen in Daseinsbereichen zuhöre, die andere nicht hören wollten und dass das wohl meine Berufung sei. Meine Sehnsucht ist es, damit selbstverständlich umzugehen, trotz der Tiefgründigkeit Leichtigkeit und Akzeptanz zu nähren, so dass ich mich und meine Gabe als schön erlebe.

- Ich möchte eine Momentaufnahme, wo ich mich gerade befinde auf meinem Weg durch mein Märchen. Ich will wissen, ob auch andere aus meiner GFK-Gemeinschaft diese Schönheit in mir sehen können. Für den Fall, dass sie diese Schönheit nicht entdecken, will ich mich mit ihnen austauschen, was sie benötigen, um meine Schönheit wahrzunehmen. Wenn andere diese Qualität als Gabe erfahren, ist es für mich ein Zeugnis, dass ich einen Beitrag in der Welt erfülle und als Mensch ein Teil in diesem umfassenden Miteinander bin.
In diesem Bewusstsein, dass ich mit all meinem Ringen ein Nutzen und wertvoll für andere bin, verwirkliche ich auf natürliche Art und Weise „social change“. Denn dieses Bewusstsein ist ein Schlüssel in allen Begegnungen, indem ich spiegele, dass auch mein Gegenüber Schönheit ist und es einen Sinn hat, dass auch er in der Welt ist.

- Das Preassessment anzutreten ist auch meine Initiation in das Leben „eines Schwanes“. Ich war „das hässliche Entlein“, verstand die Reaktionen auf mich nicht und bin viele Jahre fassungslos durch die Welt gewandert und mich nach Verständnis sehnte, was da passiert. Als ich häufiger in Kontakt mit Schwänen kam, die mich mit einem Welcome begrüßten, entdecke ich allmählich, dass ich ein Schwan bin, dem Symbol für meine individuelle Schönheit.
In Begegnungen, in denen ich in Ehrfurcht einer anderen Person gegenüber stehe und für einen Moment erfasse, was sie erlebt, welche Bedürfnisse sie hat und welchen Strategien sie sich bedient, um sie zu erfüllen oder ganz generell am Leben zu sein, kam mir häufig das Bedürfnis „Schönheit“ in den Sinn. Ja, ich meine in den Sinn als eine umfassende Erfahrung im Gegensatz zur Bewertung von „schön“ contra „hässlich“. Bereichert wird die Erfüllung des Bedürfnisses „Schönheit“, wenn auch mein Gegenüber dieses Staunen erlebt und wir gemeinsam in Ehrfurcht für „unseren“ Augenblick baden. Dann bin ich ganz der Schwan.


Mir wird bewusst, dass ich das Märchen des „Hässlichen Entleins“ gewählt habe, in dem es um Schönheit geht. Gerade ist es wieder da das Staunen, wie sonderbar wertvoll die Welt und mein Handeln doch sind, wenn ich ohne Anstrengung beitrage.

Dafür trete ich zum Preassessment an.


Donnerstag, 16. Januar 2020

Staunen



Liebe Kiwi,

du bist weiter gewachsen, so dass ich dir einen neuen Namen gebe.

Wenn du auf die Welt kommen wirst, erlebst du ein großes Staunen, was du nicht einmal als Stauen bezeichnen würdest, wenn du es denn könntest. Denn dein Staunen ist Offenheit, Neugierde, Präsenz und Verbindung mit allem, was dir begegnet zugleich. Und du kennst kein anderes Erleben als dieses, so dass es sich nicht als Staunen von anderen Erfahrungen absetzen würde.

Das ist mir heute so bewusst geworden, als ich große Trauer spürte über die vielen Jahre in denen ich nahezu ohne unschuldiger Präsenz und wertfreier Ehrfurcht lebte. Und ich wünsche dir, dass du so viel wie möglich von diesen Lebensqualitäten beibehältst und sie nicht wie ich durch Außeneinflüsse verlierst und dann viele Jahre um etwas ringst, von dem du noch nicht einmal genau weisst, wie es heißt, sondern nur spürst, dass du es verloren hast und wieder haben möchtest.

Ich werde alles tun, was in meiner Selbstwirksamkeit liegt, um dir beizustehen, diese Lebensqualitäten der unschuldigen Präsenz und wertfreien Ehrfurcht zu behalten.

In inniger Liebe deine Großmutter

Mittwoch, 8. Januar 2020

Liebe

Liebe Dattel,




ich habe dich jetzt schon lieb. Ich bin neugierig, wie du so sein wirst aus der Fülle der Wesenszüge deiner Eltern. Für das Neue Jahr wünsche ich dir ganz viel Geborgenheit, Vertrauen, Leichtigkeit, Liebe und ein fröhliches Wachstum. Deine Großmutter

PS: Ich habe dir eine Eule gebastelt. Du wirst sie kennenlernen, wenn du auf die Welt kommst. Für mich symbolisiert sie unschuldige Weisheit und schützende Wachheit.

Mittwoch, 1. Januar 2020

Stille ist ein Raum in dem nichts Neues hinzukommt

Ich habe zufällig dieses Zitat gelesen:

Stille ist ein Raum in dem nichts Neues hinzukommt, sondern das, was in uns gerade ist, Platz bekommt. So bekommen wir erst einmal mit, wie es uns überhaupt geht, was in unseren Gedanken und Gefühlen los ist.“ Schwester Brigitte Harsch Franziskanerin

Diese Franziskanerin hat das ausgedrückt, was ich in der Stille der Wüste so heilsam empfinde. Ihre Worte kann ich ergänzen, dass ich erlebt habe, dass in mir viel mehr ist, als ich in der Fülle des äußeren und inneren Lärms entdecken kann. Und jedes Mal hat mich diese Entdeckung so glücklich und zufrieden gemacht.